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Lieber Besucher meiner Website!

Ich kann einen Ticketautomaten bei der Bundesbahn bedienen, ich kann auch Geld am Bankautomaten ziehen, ich kann meinen DVD-Player anwerfen und mein Handy aus dem Fenster schmeissen, weil die scheisskleinen Tasten mich in die Irre leiten. Ich habe sogar diese Website gemacht, so gut ich eben konnte - da wirst   du   doch hoffentlich auch mit all den Möglichkeiten klarkommen, um hier mit Spaß etwas über Reisen zu erfahren!

Hier lade ich dich ein, ein paar kleine Erfahrungen mit Leihwagen zu genießen, die du so oder anders vermeiden kannst.

 

Rent a car

Es ist am ersten Tag auf der Insel immer wieder ein erfreulicher Gang zu meinem Freund Jaume. Er verleiht Autos. Das machen viele Verleiher und noch mehr nutzen diesen Service. Man hat erst das richtige Zuhause-Gefühl, wenn man seinen Hintern in einen fahrbaren Untersatz zwängen kann. Der Wagen ist meistens etwas kleiner, als man das gewöhnt ist, aber man will ja nur ab und zu damit fahren und nicht angeben, wie sonst. Die das gerne so möchten, bringen ihren eigenen Schlitten mit, koste es, was es wolle.
 Ich freue mich auf Jaume. Er hat mich noch nie enttäuscht und ich weiß, dass mit dem Leihwagen alles so gut ist, wie es auf Mallorca nur sein kann. Ich hole die Kiste am Beginn der Ferien ab und stelle sie am Ende wieder hin. Basta! Alles ist versichert, wirklich alles. Auch die Beulen, die ich übernehme sind versicherungsmäßig abgedeckt, und sollte es zum Schluss eine mehr sein, so kann mich das nicht kratzen. Flickzeug oder Wagenheber brauche ich nciht. Sollte es wirklich mal einen Platten geben, rufe ich Jaume an. Egal, wo ich auf der Insel bin, spätestens eine Stunde nach meinem Anruf habe ich einen Ersatzwagen. Das sagt Jaume. In Wirklichkeit habe ich mal zwei Stunden gewartet, aber sagen sie selber, das war doch nahe dran an der Vorhersage in einem Land, in dem "manana" (morgen) eine große Rolle spielt. Jaume erwartet von mir als gründlichem Deutschen, dass ich den Wagen bei der Übernahme durchchecke. Zunächst habe ich immer selber das Bremspedal und die Blinker betätigt und Jaume hat hinter dem Fahrzeug stehend signalisiert, dass alles in Ordnung war. Nachdem mich jemand auf einen nicht funktionierenden rechten Blinker hinwies, machen wir das umgekehrt. Seither ist es immer die gleiche Prozedur.

 "Der rechte Blinker blinkt nicht!" rufe ich.

"Scheiße-Amerikaner. Bauen schlechte Autos. Nixene funktioniert! " ruft Jaume aus dem Auto heraus in seinem wunderbaren Akzent.

 "Hast du kein Birnchen zum Auswechseln?" sage ich.

 "Auf Mallorca brauchst du keine Licht an rechte Seite. Ist nicht verboten mit Licht, wenn du hast, aber brauche keine Mensche Licht an rechte Seite."

 "Und die Polizei?"

 "Polizei? Sagt nixe. Fährt selber Scheiß-Auto mit nixe Licht an rechte Seite", pariert Jaume prompt.

 Ich bestehe schweren Herzens auf einen Wagen, bei dem beide Blinker leuchten, obwohl tatsächlich sonst alles schnieke ist, und Jaume verspricht mir den für morgen. Er ist wirklich da und ich übernehme. Auf dem nächsten Parkplatz spricht mich ein Mann an: "Ihr rechtes Blinklicht tut´s nicht." Ich bedanke mich und gebe auf. Was soll ich mit einem rechten Blinklicht auf Mallorca?

Jaume ist immer gut gelaunt und eine Seele von Mensch. Es gibt nichts, mit dem er sich nicht auskennt. Man muss nur alles sieben, was er erzählt und möglich Wahres von blühender, aber amüsanter Fantasie trennen. Seine Sprache hat einen herrlichen französischen Einschlag und Klang, denn er ist ursprünglich aus dem Baskenland.

 "Hörst du nicht das Klappern?" fragt meine Frau auf einer etwas abgelegenen Bergstrecke. Pannen passieren immer auf abgelegenen Strecken, denke ich und beschließe, das Klappern und das Gerede darüber zu ignorieren. Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiß.

"Vorne rechts klappert was." Meine Frau gibt keine Ruhe. Wir fahren zu Jaume, obwohl das Geräusch auf ordentlicher Straße nicht der Rede wert ist.

 "Was soll schon klappern. An Scheiße-Amerikaner klappert immer was. Isse nix!" sagt Jaume geringschätzig. Meiner Frau kann er nichts abschlagen und öffnet die Motorhaube. Vorne hängt die Nebelleuchte an einem Kabel frei im Radkasten. Jaume schüttelt sein weises Haupt, greift das Kabel, zieht es hoch und verknotet es an einer Karosseriestrebe. Stolz präsentiert er sein Werk. "Spanische Reparazione", sagt er, wirft mit Schmackes die Motorhaube zu und lacht einen an.

 Ich habe ja gesagt, bei Jaume ist alles in Ordnung, wie es auf Mallorca nur sein kann.

 Der Markt in Sineu jeden Mittwoch ist etwas Besonderes. Ausser mir denken das tausende von Mallorca-Besuchern und lenken ihre Stinkkisten bis zum geografischen Mittelpunkt der Insel, denn das ist der Berg von Sineu. Die Fahrt dorthin führt an einer Kette von landschaftlichen Perlen entlang, an deren Ende ein Juwel blitzt. Schon aus der Ferne sieht man das älteste Dorf der Insel majestätisch auf einem Hügel aus der weiten Ebene ragen. Lange war es der Sitz des Königs. Hier in der Mitte der Insel hatte man noch die Möglichkeit, angreifenden Piraten zu entkommen. Seit über 1000 Jahren kommen die Bauern jeden Mittwoch mit ihren Kühen, Stieren, Pferden, Schafen, Eseln, Maultieren, Hühnern, Enten, Gänsen und Kaninchen hierher. Seit der Touristenschwemme ist die Zahl der Rindviecher beträchtlich gestiegen.

 Außerdem gibt es natürlich die üblichen Obst- und Gemüsestände mit einem bunten, vielfältigen Angebot, Kunstgewerbe und Textilien. Es gibt nichts, was es nicht gibt. Die Augen laufen einem über. Es ist interessant den einheimischen Bauern beim Handeln und Feilschen zuzuschauen und natürlich auch selber zu handeln. Wer bezahl, was gefordert wird, ist nicht ganz bei Trost. Er nimmt dem Verkäufer den Spaß am Verkauf, denn der freut sich auf das Spielchen. Wenn er schon nicht viel verdient, will er wenigstens sein Vergnügen haben.

 Du musst hoch zur Kiche gehen und den Löwen streicheln. Er hält still, denn der Löwe von Sineu steht auf dem Stufenabsatz vor der Kirche und ist aus Bronze. Außerdem solltest du es nicht versäumen, den Bummel über den Markt und durch die Stadt mit einem guten Drink oder einem schmackhaften Essen in einer der typischen Bars und Bodegas rund um die Plaza zu beschließen.

 Das alles kannst du machen, wenn du einen Parkplatz gefunden hast. Diese Wahrscheinlichgkeit ist zwar gering, jedoch nicht unmöglich, wenn du dich an die Regel hältst, d. h. du stellst deine Schrottkiste da ab, wo gerade eine Lücke ist, die dir groß genug erscheint. Das ist die einzige Regel. Alle anderen, die du aus dem Straßenverkehr gewöhnt bist, kannst du ignorieren. Wenn nicht, fahre wieder nach Hause. Dann kriegst du eben keinen Parkplatz. Du kannst natürlich einen bewachten und gebührenpflichtigen Platz aufsuchen. Der liegt aber so weit weg, dass die Verpflegung für den Marsch zum Markt zu schwer auf deinen Schultern lasten wird, und du wolltest ja auch vor Dunkelheit zu Hause sein. Um die Touristen zu verwirren, sind in den engen Gassen Halte- und Parkzeiten zu unterschiedlichen Tagen und Zeiten angegeben dazu noch einmal an der linken oder der rechten Strassenseite. Es gibt gelbe Streifen, wo man überhaupt nicht stehen darf. Wo keine gelben Streifen sind, sind auch gelbe Streifen. Die sind nur irrtümlich überteert odere verblasst, aber sie sind im Zweifelsfalle da. Diese Praxis gibt dir Gelegenheit, in engen Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung zu kommen, vorwiegend mit Polizisten. Du wirst nicht wie ein Verkehrssünder behandelt. Du tust den Gesetzeshütern einen Gefallen, wenn du ohne Murren zahlst. Das Ganze ist wie ein Sport und dient dazu, die einheimische Wirtschaft am Laufen zu halten. 

 An dieses Spiel wirst du dich gewöhnen und ihm sogar einen gewissen Reiz nicht absprechen können, denn keine Freude kann größer sein als die, einen Ort unbehelligt wieder verlassen zu können.

 Wir hatten tatsächlich ein Plätzchen gefunden. Es tat sich überraschend vor der Einmündung einer Seitengasse auf. Bei langsamer Fahrt durch eine Gasse, die an der rechten Seite voll von geparkten Autos stand, die zum Vordermann gerade mal Zentimenterabstand hatten und bei der die verbleibende Fahrbahn so breit war, daß die Seitenspiegel blass vor Angst wurden, erschien uns der Platz wie ein Geschenk des Himmels oder der Stadtverwaltung. Der verbleibende Raum bis zur Straßeneinmündung war etwas gering und wir standen mit Sicherheit auf einem gelben Strich, der nur nicht zu sehen war. Aber nach der Regel standen wir gut. Das war unsere Meinung, bis wir nach ausgiebigem Marktbesuch und Schlemmeressen an den Ort zurückkamen. Kein Auto mehr. Kein Auto mehr, aber eins weniger.

 "Reg dich nicht auf", sagte ich zu meiner Frau. "Das Auto ist nur geklaut. Ich rufe Jaume an, in einer Stunde haben wir ein neues."

 Während ich noch das Handy herauskramte, sagte meine bessere Hälfte: "Da klebt ein Zettel an der Wand."

 Tatsächlich hatte sie, wie immer recht. Wenn mich meine Spanischkenntnisse nicht völlig verlassen hatten, war der Wagen in der Obhut der Polizei. Außerdem war das Ganze für Doofe bildlich dargestellt. Ich konnte sehen, dass das Auto an einem Galgen hing. Also auf zur Polizeistation. Wir wurden höflich und zuvorkommend empfangen, wie sich das für gute Kunden gehört. Als die Polizisten den Gehstock sahen, mit dem ich mich durch die Gegend wurstele, waren sie offensichtlich verlegen. Sie forderten den geringstmöglichen Strafbetrag und das Entgelt für den Abschleppdienst. Dann entschuldigten sie sich und brachten uns im Dienstfahrzeug mit Blaulicht zum Abstellplatz für abgeschleppte Falschparker.

 "Stellen sie sich nie so, daß der Abschleppwagen dran kann, als erster an Straßeneinmündungen zum Beispiel. Quetschen sie sich in den engen Gassen dazwischen wo sie wollen, Hauptsache, der Abschleppwagen kann nicht dran." Diesen Rat der Polizei gebe ich hiermit für einen vergnüglichen Marktbesuch weiter. 

Diesen Bericht findest du unter vielen anderen in meinem "Nicht ganz seriöser Reiseratgeber für Mallorca". (108 Seiten/ 15 Geschichten/ 13 Ortshinweise/ 22 Bilder)

Von Mallorca gibt es auch noch das Bilderbuch "Blüten im Gespräch mit Felsen und Mauern" vom Inselfrühling. (Format 21x21cm/40 Seiten/ 81 teils ganzseitige Bilder, die Laune machen!)

 

 

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