So lebten, liebten, lachten sie

Sieben Bergische Geschichten aus vier Jahrhunderten

geschrieben von Josef Krämer

524 Seiten / DINA 5-Format

ISBN: 9783 7347 7841 4

 

Das Buch ist da!

524 Seiten geballtes Leben aus der „guten, alten Zeit“ im Bergischen Land. Es sind sieben Geschichten, von denen der eine oder andere die eine oder andere bereits kennt, doch das sollte der Liebe keinen Abbruch tun.

Hier ist ein Buch, gemacht für alle, die ihr Bergisches lieben!

 

Es hat mir  große Freude bereitet, dieses Buch zusammenzustellen. Als ich die sieben Erzählungen durchgearbeitet habe, musste ich selber lachen, denn ich wurde daran erinnert, wie ich sie geschrieben habe.  Immer, wenn ich über Sachthemen brüte und daran intensiv arbeite, fragt meine Frau mich, warum ich es mir so schwer mache, denn beim Schreiben von Erzähltexten sei ich gelöster und fröhlicher. Es ist tatsächlich so, dass Texte und Dialoge dann aus mir herausfließen, wie aus einer unstillbaren Quelle. Ich spüre, wie ich aus dem unausschöpfbaren Fundus greifen kann, den Gott in mir über Generationen angelegt hat. Ich höre meine verstorbene Frau Franziska und meinen Vater sprechen, mein Großvater deckt mir lachend den Tisch und lädt seine Freunde dazu ein, so dass ich nur noch aufschreiben muss, was sie tun und erzählen.

So ist es bei allen meinen „Bergischen Geschichten“. Sind die Personen und ihre Namen auch fiktiv, so sind sie doch so, wie sie hier handeln,  nicht ganz von mir erfunden, sondern in ihnen steckt immer jemand, den ich vor mir sehe, an den ich mich erinnere. Ein Holzkopf oder ein Geizkragen haben sich 1765 nicht anders verhalten, als zu anderen Zeiten.    Die Orte, an denen die Geschichten spielen, existieren tatsächlich und auch die Kriegsereignisse sind leider traurige Realität gewesen, jedoch nicht unbedingt immer genau in der Form, wie ich sie im Zusammenhang mit den Ereignissen beschreibe.  Viele dieser Personen sind auf der Bühne wiedererstanden, noch mehr sind es in dem neuen Sammelband.

 Schon immer faszinieren uns Menschen, die das Leben vor besondere Herausforderungen stellt. Unsere Altvorderen hatten es meistens nicht leicht. Da waren jedoch manche Ereignisse, die zunächst wie eine Katastrophe aussahen, in Wirklichkeit eine Chance, herauszufinden, was wirklich wichtig war. Davon können wir lernen.   Wir können von ihnen lernen, dass in uns allen sehr viel mehr steckt, als wir für möglich halten. Wir können von ihnen lernen, was es heißt, Probleme zu haben und diese zu lösen. Wir können von ihnen aber auch lernen, dankbar zu sein. Und wir können von ihnen lernen, dass Freude, Glücklichsein, Zufriedenheit und Erfolg nicht von Äußerlichkeiten abhängen.   Diese Menschen nutzen ihre von Gott gegebenen Tugenden und Talente in besonderer Weise. Diese Menschen zeigen, dass wir in jeder Situation die Wahl haben zwischen den Gegensätzen: Aufgeben und Weitermachen, Verzweiflung und Sich-herausgefordert-fühlen, Selbstmitleid und das Beste daraus machen, Unglücklichsein und Glücklichsein, Verbitterung und Liebe. Und mit dieser Freiheit halten wir alle den Schlüssel in der Hand, trotz aller Widrigkeiten ein zufriedenes und erfülltes Leben zu führen.

In den sieben Geschichten haben die agierenden Menschen, jeder auf seine Art, ihren Platz in dieser Welt ausgefüllt.

Im Buch ist viel von Tugenden die Rede und ich habe mich bemüht, einige in mir schlummernde zu aktivieren, wobei  ich hoffe, dass ich das auch bei den Lesern bewirken kann. 

 

1762  Ein wehrhafter Pastor und ein Pleitebaron    /    Kinderreich und arm an Groschen  

1795  Das Vermächtnis des Johann Peter Ommerborn    /        Der Verräter

1865  Eine Feuerwehrspritze für das Sülztal     /       Alte Scheunen brennen gut

1890  Wenn Schützen feiern       /          Knall-Fall-Schützenkönig                 

1900  Wie die Spaghetti ins Felsenthal kamen      /         Steine, Schotter und Spaghetti

1912  Als der Kaiser kam     /    Ein Böller für den Kaiser

1920  Eine starke Frau für den Gemeinderat        /          Kartoffeln, Wurst und Whisky     

 

 

 

Kurzbeschreibungen einiger Geschichten:

1762 Kinderreich und arm an Groschen

Der Erzählung liegen die Ereignisse der Zeit um 1775 zugrunde, in der ein heftiger Streit zwischen dem Lindlarer Pastor Potthoff und dem Schlossherren von Heiligenhoven, dem Reichsfreiherren von Brück ausgetragen wurde. Er gipfelte in Händeln zwischen den Lindlarer Schützen und den Jägern und Knechten des Freiherren, als der Pastor die Felder des Barons abernten ließ, um so an das Entgelt für das Lehen zu kommen, welches der ihm vorenthielt.   Die Erzählung bringt den Leser in Kontakt mit dem Tagelöhner Schüll in allen möglichen Situationen seines arbeitsreichen Lebens, wobei auch der Humor nicht zu kurz kommt.   Der Leser erlebt neben vielen kleinen zeitgemäßen Begebenheiten auch die hinterlistigen Winkelzüge eines Scheffen, der einen Steinmetz als nicht standesgemäßen Bewerber um die Hand seiner Tochter in den Krieg schickt. Die glückliche Wende jedoch lässt einige „hohe Herren“ blass aussehen. Daß der Sonntagsbraten von Schüll tatsächlich ein Kater war, spielt eine entscheidende Rolle.

1886 Alte Scheunen brennen gut

Im Sülztal ist der Teufel los, denn die Gemeinde will nur 30 Taler für die neue Feuerwehrspritze dazutun. Dabei kann man die alte nur noch bei falschem Alarm gebrauchen. Bauer Johann aus Hartegasse, gleichzeitig mit Leib und Seele Feuerwehrhauptmann, ist aus dem Häuschen. Außerdem hat der Witwer Probleme mit seinen beiden Töchtern, die partout die falschen Männer heiraten wollen. Dabei brennt es öfter mal verdächtig bei dem dicken Bauern Hermann, den Johann für seine Lieblingstochter vorgesehen hat.  In der Erzählung werden derartige Schwierigkeiten mit Pfiffigkeit und Humor gelöst.    Der historische Hintergrund ist absolut stimmig und der Leser hat sein Vergnügen an den Wortgefechten und Wendungen der handelnden Personen inklusive Pastor, Lehrer und Bürgermeister und dem legendären Sanitätsrat Dr. Müller.

1900 Steine, Schotter und Spaghetti

Denkt man an die Steinbrüche, dann hat man den Brungertsberg vor Augen. Tatsächlich jedoch war das Felsenthal bei Kaiserau um die Jahrhundertwende der größte Lieferant von Steinen aus dem so steinreichen Lindlar. Die schlechte Wirtschaftslage in Italien verursachte damals eine Auswanderungswelle, die auch die ersten Arbeiter aus fremden Ländern ins Felsenthal schwemmte. Wie groß die Aufregung und die Vorurteile bei den Menschen waren, die meist kaum über die Gemeindegrenze hinaus kamen und für die Italien unvorstellbar weit weg lag, wo „Spaghetti im Garten wächst, wie bei uns die Strauchbohnen“. Als der schmucke Fortunato an Maria, der Tochter des Steinhauers Johann aus Kuhlbach freien will, ergeben sich vielfache Verwicklungen. Lindlar hat auch damals bereits seine Integrationskraft bewiesen.

1890 Knall – Fall – Schützenkönig

Eine Schützenbruderschaft gibt es schon seit dem 15. Jhdt in Lindlar. 1840 wurde dann der Schützenverein neu gegründet. Die interessante Zeit um 1890 ist die Historie hinter der Erzählung und liefert Milieu und Motor der Handlung dieser Dorfgeschichte. Handwerker und Steinhauer agieren typisch vor dem zeitgeschichtlichen Hintergrund. So bietet die Erzählung tiefe Einblicke in das Leben und die Denkweise unserer Vorfahren in dieser Zeit.

1912 Ein Böller für den Kaiser

Wahre Ereignisse in einer besonderen Zeit: die Eisenbahnlinie zwischen Köln und Lindlar wird eröffnet und das elektrische Licht hält seinen Einzug in die Gemeinde, und nun soll auch noch der Kaiser kommen.    Was sich während der Vorbereitungszeit auf seinen Besuch so alles im Dorf tut an Aufregungen und kleinen Episoden am Rande erlebt der Leser hautnah und kann über viele Dinge lachen, die den Leuten damals sicher oft nicht so lustig vorgekommen sein mögen. So ist die Aufregung groß, als eine telegrafische Anfrage aus Köln auf dem Pult des Bürgermeisters Pfeifer landet, in dem gefragt wird, ob der Johann Krämer und der „schwazze“ Krämer identisch seien. Angesichts des Kaiserbesuches kann dahinter nur eine Verschwörung stecken, denn „so eine Sauerei hat es in Lindlar noch nie gegeben“. Zur Vorsicht wird auch der Steinmetz Kadel als möglicher Anführer eingebuchtet, doch offensichtlich überschreitet der Bürgermeister seine Kompetenz eindeutig, um ihn von einer Liebschaft mit seiner Tochter fern zu halten.   Das trotz aller Mühen und Vorbereitungen der Kaiser dann nur durchfährt, ohne aus dem Fenster zu gucken, ist überliefert.

1920 Kartoffeln, Wurst und Whisky

Kartoffeln und Wurst im Bergischen. Doch wo kam der Whisky her? Die Schotten brachten ihn mit. Der Erste Weltkrieg ist beendet, die Weimarer Republik bringt eine neue Basis für die Gemeindepolitik. Doch Lindlar hat eine Besonderheit: Es liegt im Besatzungsbereich der Siegermacht England.     Carola Lob und Luise Kremer sind die beiden ersten Frauen im Gemeindeparlament. Es ergeben sich Verwicklungen durch die besondere Situation Lindlars und für Luise durch die Verbandelung von Luises Schwester Klara mit ihrem politischen Gegenspieler aus Frielingsdorf. Da ist der Ärger, aber auch der Platz für spannende Lösungen programmiert. Schmuggeln im Bergischen, wer hätte das gedacht? In der Erzählung werden alle Probleme mit Witz und Verstand gelöst und zum Happy-End geführt.

 

 

 

 

 

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